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Arbeitsmarkt in Bewegung: Mehr Erwerbsbeteiligung und wachsende Integration

Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich in einem Wandel. Aktuelle Veröffentlichungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen dabei mehrere Entwicklungen, die verbreiteten Klischees widersprechen: Immer mehr junge Menschen beteiligen sich am Arbeitsmarkt, die Beschäftigung von Zugewanderten wächst und selbst Menschen mit besonders langen Phasen der Arbeitslosigkeit erweisen sich als mobilisierbar. Die Befunde zeichnen damit insgesamt ein differenziertes, aber durchaus positives Bild der Arbeitsmarktentwicklung.

 

Besonders deutlich zeigt sich die gestiegene Erwerbsbeteiligung bei den 20- bis 24-Jährigen. Ihre Erwerbsquote ist zwischen 2015 und 2025 um 7,1 Prozentpunkte auf 76,8 Prozent gestiegen. Damit liegt die Erwerbsbeteiligung junger Menschen heute auf dem höchsten Niveau seit Jahrzehnten. Die Entwicklung widerspricht dem verbreiteten Bild einer Generation Z, die Arbeit einen geringeren Stellenwert einräumt und vor allem Wert auf Freizeit und Work-Life-Balance legt. Vielmehr hat die Erwerbsbeteiligung junger Erwachsener gerade seit 2015 deutlich zugenommen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die wachsende Erwerbsbeteiligung von Studierenden. Viele von ihnen arbeiten neben dem Studium, häufig im Handel sowie im Lebensmittel- und Gastgewerbe. Diese Nebenjobs erklären einen Teil der Unterschiede zwischen jungen und älteren Beschäftigten. Insgesamt zeigt sich jedoch, dass die Beschäftigung junger Menschen weit über typische Nebenjobs hinausgeht und sich ähnlich breit über verschiedene Berufe verteilt wie bei den 25- bis 64-Jährigen.

Auch bei der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten ist über die vergangenen zehn Jahre eine deutliche Annäherung zu beobachten. Die Beschäftigungsquote der 2015 zugezogenen Geflüchteten lag 2024 bei 64 Prozent und damit nur noch sechs Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung von 70 Prozent. Rund 90 Prozent der beschäftigten Geflüchteten gingen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Damit zeigt sich über einen Zeitraum von zehn Jahren eine klare Entwicklung hin zu einer stärkeren Arbeitsmarktteilhabe. Gleichzeitig bestehen weiterhin Unterschiede, insbesondere zwischen Männern und Frauen.

Die aktuelle Entwicklung der Beschäftigung ausländischer Staatsangehöriger unterstreicht diesen Trend. Im Mai 2026 stieg ihre Beschäftigung gegenüber dem Vorjahresmonat um rund 181.000 Personen beziehungsweise 2,8 Prozent. Gleichzeitig ging die Beschäftigung in Deutschland insgesamt um rund 157.000 Personen zurück. Der Beschäftigungszuwachs bei ausländischen Staatsangehörigen konnte den allgemeinen Rückgang damit rechnerisch deutlich abfedern. Besonders stark stieg die Beschäftigung von Staatsangehörigen aus den Asylherkunftsländern sowie von ukrainischen Staatsangehörigen.

Eine weitere positive Erkenntnis betrifft eine Gruppe, deren Arbeitsmarktpotenzial häufig besonders skeptisch eingeschätzt wird: Menschen mit sehr langen Phasen der Arbeitslosigkeit. Die aktuellen Ergebnisse zum Förderinstrument „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ (TaAM) zeigen, dass auch besonders arbeitsmarktferne Menschen durchaus mobilisierbar sind. Das Instrument ermöglicht eine bis zu fünfjährige geförderte Beschäftigung und richtet sich an Langzeitarbeitslose, die über einen langen Zeitraum hilfebedürftig waren und nur selten oder gar nicht beschäftigt waren.

Die Ergebnisse fallen dabei ermutigend aus. Von den Personen, die ihre TaAM-Förderung zwischen April und Dezember 2019 begonnen hatten, schöpfte die Hälfte die maximale Förderdauer von fünf Jahren aus. Bei den fünf Jahre Geförderten lag die Beschäftigungsquote nach dem Förderende bei 57 Prozent. Bei Personen mit einer kürzeren Förderdauer waren es 45 Prozent. Besonders deutlich wird die Anschlussfähigkeit der geförderten Beschäftigung bei der direkten Übernahme: 52 Prozent derjenigen, die fünf Jahre gefördert worden waren, wurden anschließend vom selben Arbeitgeber in eine ungeförderte Beschäftigung übernommen.
Damit deutet sich an, dass auch bei Menschen mit besonders großen Zugangshürden zum Arbeitsmarkt eine Rückkehr in reguläre Beschäftigung möglich ist. Gerade die lange Förderdauer scheint dabei für einen Teil der Betroffenen eine Brücke in ungeförderte Beschäftigung zu bilden. Die Befunde sind zwar noch kein abschließender Nachweis dafür, dass die Förderung selbst ursächlich für die bessere Beschäftigungssituation ist. Das IAB weist darauf hin, dass hierfür noch entsprechende Wirkungsanalysen mit einer Vergleichsgruppe erforderlich sind. Als erster Befund zeigen die Ergebnisse jedoch, dass Arbeitsmarktferne nicht mit fehlender Mobilisierbarkeit gleichzusetzen ist.

Insgesamt ergibt sich damit ein durchaus positives Bild der Arbeitsmarktentwicklung. Die Erwerbsbeteiligung junger Menschen ist deutlich gestiegen, Geflüchtete haben sich beim Zugang zu Beschäftigung dem Niveau der Gesamtbevölkerung angenähert und selbst bei besonders arbeitsmarktfernen Langzeitarbeitslosen zeigen sich nach längerer Förderung beachtliche Übergänge in Beschäftigung.

Die Entwicklungen zeigen zugleich, dass Arbeitsmarktintegration nicht bei allen Gruppen auf dieselbe Weise funktioniert. Während junge Menschen zunehmend selbst am Arbeitsmarkt partizipieren und sich die Beschäftigung von Zugewanderten über Jahre hinweg dem allgemeinen Niveau annähert, benötigen Menschen mit besonders langen Phasen der Arbeitslosigkeit teilweise längere und gezieltere Wege zurück in Beschäftigung. Entscheidend ist dabei die Erkenntnis, dass diese Gruppen nicht als dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen betrachtet werden müssen: Die vorliegenden Daten zeigen vielmehr, dass Arbeitsmarktpotenziale mobilisiert werden können, wenn passende Zugänge und ausreichend Zeit zur Verfügung stehen.